Kritiken im Dutzend billiger…

Peter P. Pachl schreibt in der nmz online Einiges.

Hier ein paar Auschnitte:

(…) Anlässlich der späten szenischen Uraufführung, 2001 in Regensburg, hatte Juan Martin Koch in der nmz prognostiziert, „dass hier ein wichtiges Stück Musiktheater des 20. Jahrhunderts möglicherweise im 21. endlich angekommen ist und – weitere und weitergehende Regieanstrengungen vorausgesetzt – vor einer Renaissance stehen könnte“. Diese Anstrengungen hat nunmehr das Theater Bonn in besonders hohem Maße erfüllt.

(…)

Der Bonner Dramaturg Andreas K. W. Meyer deutet Braunfels Oper’ als „ein Stück des zumindest moralischen Widerstands“, als „Beweggrund für einen zum öffentlichen Schweigen verdammten, noch kurz zuvor viel gespielten Komponisten“.

Gleichwohl verzichtet die Aufführung in Bonn bewusst auf jegliche naheliegenden politischen Bezüge zur Entstehungszeit der Partitur. Mit Mitteln des fantastischen Zaubertheaters betont sie das Kunstmärchen.

(…)

Die dominante, überbordend üppige, psychedelisch farbige Ausstattung von Hank Irwin Kittel bietet enorm viel fürs Auge. Faszinierende Bilder sind zu bestaunen, etwa wenn Rustan als Held auf einem feuerspeienden Nilpferd in Samarkand einreitet und Gülnare, auf einem Nashorn mit goldenen Hörnern stehend, an seine Seite gefahren wird, wenn Zanga auf dem Rücken kinetische Flügel wachsen oder wenn er einen blendenden Leuchtstab als gigantisches Schwert schwingt.

(…) häufig werden die wundersam eingelösten, im Libretto erwähnten szenischen Erfordernisse obendrein überlagert von bis zu drei gleichzeitigen Projektionen aus Schrift und Skribbles, als einem Markenzeichen des Regisseurs Jürgen R. Weber.

Der hatte bereits vor sechs Jahren, anlässlich seiner ersten Operninszenierung, bei Pfitzners Oper „Die Rose vom Liebesgarten“ in Chemnitz, den Kunstmythos in Fantasy-Film-Ästhetik zum Trivialmythos umgestaltet und mit projizierten Texten den Handlungsablauf kommentierend ironisch gebrochen.

(…)

Die Raumlösungen der Ausstattung bilden eine Einheit mit den einfallsreich individuellen Kostümen von Kristopher Kempf, auch für jeden einzelnen Choristen.  (…)

Solisten, Chor und Statisterie führt Weber einfühlsam, kurzweilig und geschickt. Bisweilen bebildert er musikalische Strukturen choreographisch, etwa wenn Zanga in der musikalischen Diktion des Afrikaners einen Song zum Besten gibt, bei einem sequenzierten Duett und wenn vielbrüstige Mütter mit ihren Babies, Soldaten und Amazonen im Tanzschritt marschieren. Zanga nutzt sein Holzschwert als Golfschläger, Fanfaren und Trompetensignale werden sichtbar von Orchester-Musikern auf der Bühne geblasen.

Das Happyend wird potenziert: mit rosa Farbe malt Mirza die Hälfte eines Herzens an die Wand, Rustan ergänzt mit weniger zeichnerischem Geschick die fehlende Hälfte, und die beiden Faune am Rand der Uhr halten Händchen. Da auf dem sich schließenden Hauptvorhang bereits die Projektion „ Ende“ erscheint, geht das traumhaft schöne, leise Verklingen der Partitur bereits in Klatschen und Bravorufen unter.

Dass die Oper gegen ein solches Übermaß an optischen Reizen überhaupt bestehen kann, ist das Werk des Dirigenten Will Humburg…

(…)

Das mit viel Kultur-Prominenz, internationalen Pressevertretern und zum Teil von weither angereisten Opernfreunden besetzte Premierenpublikum sparte nicht mit Zuspruch und dankte allen Beteiligten mit uneingeschränkt herzlichem Applaus für diesen ungewöhnlichen Opernabend.

 

 

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