Archiv der Kategorie: Probentagebuch

Probentagebuch Freitag 7. März 2014

Gestern haben wir mit Manuela die Schluss – szene geprobt. Das Ende der Oper, das bei Vielen eher Skepsis ausgelöst hatte, funktioniert wunderbar. (zumindest auf der Probebühne). Ich erinnere mich wie Ulf Schirmer, der mit dem Gedanken gespielt hatte den TRAUM in Leipzig zu machen, mich fragte wie ich denn die schwache Schluss-Szene inszenieren wolle. Ich selber hatte die Szene nie als schwach empfunden, war mir aber auch nicht ganz klar wie ich mit dem eher undramatischen Ende umgehen sollte. Als ich bei einem Treffen mit  Rose Bartmer, unserer Musik-Theater-Pädagogin, und einem Dutzend Jugendlicher um die 15 Jahre, über Braunfels und DER TRAUM EIN LEBEN sprach, merkte das einzige Mädchen in der Runde etwas an: Sie sagte, dass es doch ungewöhnlich sei, dass in einer Oper, die nicht per se eine komische sei, niemand sterbe und es am Ende auch keine lauten Töne gebe. Tatsächlich ist das versöhnliche und unhysterische Finale für den modernen, in tausend Konflikten stehenden Menschen, befremdlich. Nun haben wir versucht genau das auf der Bühne umzusetzen. Mal sehen ob es auch für die ZUschauer funktioniert.

Interessant war gestern auch eine Soloszene für Manuela, wo wir fast auf jede Aktion verzichten und nur den Gesang im Raum wirken lassen. Manchmal ist Inszenieren die Kunst des Weglassens.

Die absolut komischsten Szenen waren aber Szenen der Irritation, wo einige Darsteller weiterspielen, andere aber etwas verloren zum Regiepult oder sonstwohin schauen. Das Szenen von einer surrealen Poesie, die man leider nicht nachstellen kann. Szenen die nur auf der Probebühne möglich sind.

Gleich geht’s zur dritten Chorprobe…

 

 

Probentagebuch 4.3.2014

Heute zum erstenmal Probe mit Manuela Uhl. (Bisher haben wir mit  Carola Glaser in der Rolle der Mirza/Gülnare geprobt). Das gab ziemlich interessante neue Impulse für die Szenen.
Morgen früh um 10 geht’s weiter…

Hier ein künstlerisch wertvolles Selfie.

Jürgen Endrk & Manuela

The tremendous Trio: Manuela, Jürgen & Endrik…

Probentagebuch 1. 3. 2014

Die karnevaleske Unterbrechung der Proben gibt mir Zeit über einige Dinge nachzudenken: z.B. wo stehen wir mit den Proben? Wohin führt das alles? Was bedeutet es, wenn wir bei den Filmeinspielungen Ausschnitte aus einem Film über den  berühmten Todesritt der leichten Brigade am 25.10.1854 zeigen? Einen Angriff der englischen 3th Light Dragoons, 17th Lancers und 11th Hussars im Krimkrieg über den ein Augenzeuge, der französische General Pierre Bosquet sagte: „C’est magnifique, mais ce n’est pas la guerre, c’est de la folie“

CatonWoodvilleLightBrigade

Cannon to right of them,
Cannon to left of them,
Cannon behind them
  Volley’d and thunder’d;
Storm’d at with shot and shell,
While horse and hero fell,
They that had fought so well
Came thro‘ the jaws of Death,
Back from the mouth of Hell,
All that was left of them,
  Left of six hundred.

oder wie Zanga im Prolog der Oper singt:

Zanga.

Seht nur erst ein Schlachtgefild‘, Hört nur erst Trompeten klingen,

Die Luft erschüttert, Die Erd, die Erd erzittert Von Pferdegestampf,

Laut toset der Kampf. Ha! Die Feinde, sie wanken, Die Feinde, sie weichen!

Mir nach, mir nach Über Freundes und Feindes Leichen.

Sieg, rufet es, Sieg! Herr, das ist leben! Es lebe der Krieg!

Rustan.

Oh, halt ein! Du tötest mich!

Und während wir all dies überlegen, proben, machen und schneiden, gehen auf der Krim wieder Regimenter in Gefechtsbereitschaft…

 

Probentagebuch Donnerstag, 20.2.2014

Heute etwas mühsames Vorwärtskommen mit einer intensiv-emotionalen Entladung meinerseits. Aber trotzdem zeigt sich immer mehr wie die Szenen von der Stimmung her zusammengehen. Am Ende der Abendprobe noch der Versuch den guten alten Harpo Marx Bein – Trick mit Endrik und Mark zu inszenieren. Endrik war noch nicht ganz überzeugt… Mal sehen…

Hier Harpos „Leg routine“:

 

Proben-Tagebuch Mittwoch, 19.2.2014

Heute ne Menge 2. Akt. Noch ohne Chor, aber mit dem legendären Graham Clark als altem Mann.

Mittags Treffen mit einigen Schülern, die an den abenden der Aufführung für die Einführung verantwortlich sein werden.

Abends dann erste Versuche mit dem König (Rolf Broman) und dessen 2 zusätzlichen Händen (Katharina).

Foto 1 Foto 2 Foto 3 Foto 4

Proben-Tagebuch Dienstag, 18.2.2014

Heute Morgen Videobesprechung während Will Humburg mit den Sängern den 2. Akt durchging. Wir überlegen, wie wir meine obligatorischen Video Kommentare ohne zu viel Aufwand realisieren können. Die Lösung scheint das Abfilmen der Texte auf der Übertitelungsanlage zu sein. Mal sehen… Abends dann Vorspiel szenisch. Es ist interessant wie sich der Stil des Ganzen immer mehr herauskristallisiert. Heute gab es auch eine kleine Tanzeinlage unser dramatischen Sänger im Bob Fosse – Stil… Ein Hauch von komödiantischer, surrealer Absurdität liegt über allem… Es ist als ob irgendwo in der Ecke Rod Serling stehen müsste…

Proben-Tagebuch Montag, 17.2.2014

KONZEPTION!!!

Heute um 11 begann mit der  Konzeption die Probenphase! Hier einige Fotos!!!

Traum_ein_Leben-Pr-001  © 2014 Thilo Beu

Regisseur Jürgen R. Weber erklärt das Universum (und sein Regiekonzept)

Traum_ein_Leben-Pr-007  © 2014 Thilo Beu

Kostümbildner Kristopher Kempf erklärt ein schönes Kostüm (Im Hintergrund unscharf Bühnenbildner Hank Irwin Kittel).

Traum_ein_Leben-Pr-014   © 2014 Thilo Beu

Dirigent Will Humburg erklärt ein Cisis.

Traum_ein_Leben-Pr-025   © 2014 Thilo Beu

Hank Irwin Kittel, nachdenklich & sein Bühnenbildmodell, unscharf.

Probentagebuch Mittwoch 15. Januar 2014

12 Uhr in Westberlin: Kampfprobe bei Endrik in Westberlin. Erstes Artefakt im Flur: Ein ausgeklügeltes Hantelset.

20140115_130817_2200

Danach kurze Stellprobe im Wohnzimmer: Was ist möglich, und was nicht: Schläge, Tritte, Griffe, Armumdrehen mit Blick zum Dirigenten, zu Boden gehen etc. Was darf oder kann man einem Tenor zumuten? Antwort: So ziemlich alles.

Danach kurz mal die Hanteln ausprobiert. Rätsel: Welcher ist der Tenor- welcher der Regie-Arm???

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Probentagebuch Montag 14. Oktober 2013

Viele fragen sich: Warum Probentagebuch,  wo doch noch gar nicht geprobt wird? Nun das kann ich auch nicht wirklich beantworten. Wahrscheinlich weil „Vorbereitungstagebuch irgendwie blöd klingt“ Egal.

Noch ganz innerlich erschüttert von der Jesus Christ Superstar Premiere , mit dem durchaus talentierten Mr. Judas (David Jakobs), gestern, erscheine ich gegen Mittag im Opernhaus und irre durch die Gänge. Jürgen Gang

Irgendwann erreiche ich tatsächlich das Intendanzbüro der Theater Bonn.  Dort treffe ich dann, wie zu erwarten war, auf den Generalintendanten Dr. Bernhard Helmich, mit dem ich über die Dinge rede über die Intendanten und Regisseure üblicherweise reden: Lauter wichtiges Zeug. Helmich ist ziemlich schwer zu durchschauen. Was denkt er wirklich von meinem Konzept zu „Der Traum ein Leben“? Ich beschließe ein Photo mit meinem neuen Samsung Smartphone von ihm zu machen, um mir mit Hilfe einer genausten Analyse seines Gesichts und Körpersprachenausdrucks eine Meinung darüber zu bilden.

Bernh. Helm. Verwaschen

Hm. Vielleicht muss ich das Smartphone ruhiger halten. So smart scheint es dann auch nicht zu sein.

Dann treffe ich auf Ben DOOM, der irgendwie für Online-Kram bei den Thatern Bonn zuständig ist. Ich zeige ihm diesen Blog, den Sie gerade lesen und sein etwas verrücktes Lächeln drückt seine beifällige Einstellung meinem Blog gegenüber aus.

Ben + Jürgen

Später, nach einigen Calamares im Opera-Restaurant, treffe ich Elisabeth Thomann und wir besprechen, wie die Videoeinspielungen für DER TRAUM EIN LEBEN produziert werden sollen. Auf dem Tisch kann man 2 Originalzeichnungen von mir, 2 Kaffebecher (einer voll, einer leer, einer Pappe, einer Porzellan),  erkennen. Ein Teil der Anmationen wird mit Hilfe einer einfachen Technik gemacht werden, bei der die einzelnen Phasen auf Transparentpapier gemalt werden.

elis. Thomann

Zwischendrin habe ich mich auch mit Andreas (Operndirektion&Dramaturgie) und Fritz, dem Leiter der PR-Abteilung getroffen um Diverses entspannt zu besprechen. Morgen gehts wieder zurück nach Berlin.

Probentagebuch 12. Oktober

Neulich auf dem Hippopotamus:

hipposattel

Morgen geht’s nach Bonn. Nicht auf dem Nilpferd, sondern im ICE. Aber trotzdem: Langsam beginnt der Motor zu laufen. Bilder, Ideen, Träume konkretisieren sich um die Oper DER TRAUM EIN LEBEN von Walter Braunfels in einer würdigen Weise auf der Bonner Opernbühne im März 2014 zu zelebrieren. Kreaturen werden kreiert, Traumatische Tänze ertanzt, Filme erfunden und natürlich jede Menge Träume geträumt.

SACHS

Mein Freund, das grad‘ ist Dichters Werk,
dass er sein Träumen deut‘ und merk‘.
Glaubt mir, des Menschen wahrster Wahn
wird ihm im Traume aufgetan:
all Dichtkunst und Poeterei
ist nichts als Wahrtraumdeuterei.

Also morgen Jesus Christ Superstar – Premiere und Montag und Dienstag Treffen mit der Film-,  der PR und der Dramaturgie – Abteilung. Mal sehen…